Eine ungewöhnliche Begegnung

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Treffen sich ein Dispositiv und ein Pony. Sagt das Pony: „Hüüüh“ Das Dispositiv guckt ganz komisch. „Was bist du denn? Ich kann dich garnicht einordnen.“ „Ich bin ein Pony!“, sagt das Pony „Ich suche nach saftigen Weiden und son Kram. Aber so abstrakten Figuren wie dir begegnet man auch selten. Was bist du denn?“ „Ich bin ein Dispositiv!“ sagt das Dispositiv stolz und macht ein Dispositivgeräusch. „Das Geschlechtsdispositiv, um genauzusein. Die Menschen sind irgendwann auf den Trichter gekommen, dass nur die Hälfte von ihnen Kinder bekommen kann. Dann haben sie mich damit beauftragt, alle neuen Menschen, die geboren werden in diese Kategorien einzuordnen, damit man das besser erkennen kann. Ich muss dann hinterher auch immer kontrollieren, ob die das auch einhalten.“ „Hui.“, sagt das Pony. „Das hört sich aber ganz schön anstrengend an. Ordnest du auch Ponies ein?“ „Das macht ein anderes Dispositiv, aber es hat gerade Mittagspause, also pass auf, dass es dich nicht sieht. Eigentlich dürftest du hier garnicht sein, glaube ich.“
Das Pony wird etwas nervös und schaut sich um. „Wenn ihr ständig alle kontrolliert, ihr Dispositive, warum sieht man euch dann so selten?“ fragt es. „Das steht in unserem Arbeitsvertrag.“ das Dispositiv wird etwas ernster. „Wir müssen uns im Hintergrund halten, weil wir die Leute sonst in ihrem Stolz kränken würden. Wenn sie uns sehen, wollen sie oft nichts mehr von uns wissen. Viele werden auch aggressiv und wollen sich rächen, wenn sie uns die Schuld an irgendwas geben können. Neeenee… Das ist schon besser so wie es ist.“ Das Pony nickt verständnisvoll. „Eigentlich…“ Das Dispositiv zögert und sieht nachdenklich aus. „Eigentlich wollte ich auch nie ein Dispositiv werden. Eigentlich wollte ich Holzfäller sein. In Kanada. Aber irgendwann wollte ich dann was Sicheres, wo man gestalten kann und gefordert ist und so… Und jetzt häng ich da irgendwie drin… Ich mach das ja auch irgendwie gerne, weißt du… Und ich denke mir, dass ich das auch gut mache. Die Leute kommen alle klar damit, wie ich das mache. Und sie haben sich daran gewöhnt. Wenn jetzt ein anderes Dispositiv meinen Job macht, hätte ich Angst, dass es zu streng mit ihnen ist. Verantwortung, weißt du?“
Das Pony ist verwirrt, aber es hat keine Zeit, richtig darüber nachzudenken. „Mist!“ zischt das Dispositiv. „Da hinten kommt das andere Dispositiv, vor dem ich dich gewarnt hatte. Du musst dich verstecken!“ „Aber wo denn?“, das Pony bekommt Angst. „Da vorne ist eine kleine Lücke zwischen den Geschlechtern, wo ich die Leute immer reinpacke. Ich bin da in letzter Zeit öfters drüber gestolpert, und du passt da ziemlich genau rein. Komm. Beeil dich!“
Das Pony macht, was ihm geraten wird. Und es passt wirklich ziemlich gut in diese Lücke hinein. „Warum,“ fragt es sich, „ist hier bloß eine Ponygroße Lücke zwischen den Geschlechtern?“ Dann sieht es den Tunnel.

tbc

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